Mehrere Betriebe teilen sich eine Lehrstelle: So bildest du aus, auch wenn dein Betrieb nicht das ganze Berufsbild abdeckt.
Beim Lehrbetriebsverbund teilen sich mehrere Betriebe eine Lehrstelle. So bildest du ICT-Lernende aus, auch wenn dein Betrieb allein nicht alle Handlungskompetenzen abdeckt.
Das Problem
Viele ICT-Betriebe, gerade KMU, decken nicht das ganze Berufsbild ab oder können eine Lehrstelle nicht über alle vier Jahre allein garantieren. Eine eigenständige Lehre ist damit oft nicht möglich.
Die bewährte Lösung: Lehrbetriebsverbund
Im Lehrbetriebsverbund schliessen sich zwei oder mehr Betriebe mit sich ergänzenden Tätigkeiten zusammen. Eine Leitorganisation (Leitbetrieb, Verein oder Verband) stellt die Lernenden an, schliesst den Lehrvertrag ab und trägt die Ausbildungsverantwortung gegenüber den Behörden. Die Lernenden rotieren während der Lehre durch die Partnerbetriebe und erwerben so alle Handlungskompetenzen. Rechtliche Grundlage sind das Berufsbildungsgesetz (Art. 16) und die Berufsbildungsverordnung (Art. 8 und 9).
Drei gängige Formen
- Ergänzungsausbildung: ein Hauptbetrieb deckt das Meiste ab, Partnerbetriebe füllen einzelne Lücken.
- Kleinverbund: mehrere gleichwertige Betriebe teilen sich die Ausbildung.
- Grossverbund: ein Verband ist Träger und koordiniert mehrere Betriebe und mehrere Lernende.
So gehst du vor
- Klär, welche Handlungskompetenzen dein Betrieb abdeckt und welche ein Partner ergänzen müsste.
- Schliess dich einem bestehenden Verbund an oder gründe mit anderen Betrieben einen neuen.
- Regelt Anstellung, Verbundgebühr und die Rotation der Lernenden vertraglich; die Verträge müssen vor Lehrbeginn vorliegen.
Gut zu wissen: in der ICT oft anspruchsvoll
In der ICT-Berufsbildung ist das Verbundmodell weniger verbreitet, und das hat handfeste Gründe. Ein Leitbetrieb muss die Koordination unter den Praxisstellen übernehmen, sie planen und fortlaufend überwachen. Jeder Wechsel zwischen Praxisstellen oder Lehrbetrieben bringt neuen Einführungsaufwand: nicht nur die betriebliche Einarbeitung, sondern auch die Einführung in eine andere technologische Umgebung und Infrastruktur, die in der ICT oft aufwendig ist. Diese zusätzlichen Kosten und Aufwände schrecken viele ICT-Lehrbetriebe ab und sind einer der Hauptgründe, weshalb das Modell in der ICT-Berufsbildung nicht stärker etabliert ist.
Trotzdem bringt der Verbund klare Vorteile: Er bereichert die Ausbildung mit Einblicken in verschiedene Umgebungen und entlastet einzelne Personen, Teams oder Betriebe, weil niemand die Verantwortung für die gesamte Lehre allein tragen muss.
Im Kanton Bern
Einen offenen, betriebsübergreifenden ICT-Lehrbetriebsverbund, dem private Betriebe einfach beitreten können, gibt es im Kanton Bern aktuell nicht (Stand Mai 2026). Ein etabliertes Beispiel mit Sitz im Kanton ist aber der ISCeco / Lehrverbund WBF, der Ausbildungsverbund der Bundesverwaltung. Wenn du selbst einen Verbund aufbauen oder einem beitreten möchtest, ist die kantonale OdA (Organisation der Arbeitswelt) ICT-Berufsbildung Bern die richtige erste Anlaufstelle.
- ISCeco / Lehrverbund WBF: Ausbildungsverbund der Bundesverwaltung mit dem Information Service Center WBF (ISCeco) als Leitorganisation. Die Lernenden starten mit einem Basislehrjahr beim ISCeco in Zollikofen und rotieren danach durch verschiedene Bundesstellen wie das SECO, das Bundesamt für Landwirtschaft oder das Generalsekretariat WBF. Ausgebildet wird in vier ICT-Berufen: Informatiker:in EFZ (Applikationsentwicklung), Mediamatiker:in EFZ, ICT-Fachleute EFZ und Entwickler:in digitales Business EFZ.
- ICT-Berufsbildung Bern: kantonale OdA der ICT-Berufsbildung, Anlaufstelle für Verbundfragen.
Mehr & Quellen
- Lehrbetrieb werden, ICT-Berufsbildung Schweiz
Eine weitere Alternative in dieser Situation ist das Basislehrjahr: Dabei lagerst du nur das anspruchsvolle erste Lehrjahr an ein Ausbildungszentrum aus, statt die ganze Lehre auf mehrere Betriebe zu verteilen. Basislehrjahr.
